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„Abstraktionen“

Barbara Back, Anni Rieck, Ulla Ströhmann, John Schmitz, Debora Kim, Christian Schied

9. April bis 19. Juni 2022 in der StadtHausGalerie Sonthofen

Mit dem Sammelbegriff Abstraktion (von lat. abstrahere abziehen, trennen) beziehungsweise abstrakte Kunst werden unterschiedlichste Ausdrucksformen der Kunst zusammengefasst. Das Gestalten mit Farben, Flächen, Linien, geometrischen oder vegetabilen Formen lässt vielfältige künstlerische Positionen entstehen, die sich durch Technik und Thema unterscheiden. Der gemeinsame Nenner aller Werke ist die Abwendung vom gegenständlichen Motiv. Seit über 100 Jahren finden Künstler*innen ihren Weg, in dem sie sich auf das Zusammenspiel von Material, Farbe, Raum und Zeit konzentrieren. Die Loslösung vom Motiv ermöglicht es ihnen, ihren persönlichen Weg zu finden und sich auf ihre Kernaussage zu fokussieren.

In der Ausstellung „Abstraktionen“ sind Arbeiten von sechs Künstler*innen mit unterschiedlichen Positionen zu sehen. Sie setzen sich mit Literatur, Philosophie oder Themen der historischen Kunst auseinander bzw. hinterfragen sie, wie der Eindruck von Bewegung und Räumlichkeit entsteht, wie es mit der Diskrepanz zwischen dem äußeren Erscheinungsbild einer Form und der tatsächlichen Materialität steht oder wie das Phänomen Zeit veranschaulicht werden.

Öffnungszeiten: Di–Do, Sa, So jeweils 15–18 Uhr
geschlossen: Tag der Arbeit, 1. Mai 2022, und Fronleichnam, 16. Juni 2022
Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro

Barbara Back: subtile peace inside; 2021; Molton; 81 x 56 x 17 cm

Barbara Back

Ihre Objekte bestehen aus unbehandeltem, gefaltetem, gestülptem oder geschlungenem Baumwollmolton. Die ungewöhnliche Beschaffenheit der Oberfläche lebt vom Licht- und Schattenspiel. Mit den Faltungen und Reihungen des Materials nimmt Back Bezug auf die Gestaltung der Gewandfalte auf historischen Altargemälden oder sakraler Plastik. Die üppige Stofflichkeit spielt mit dem vertrauten und symbolbeladenen Motiv der europäischen christlichen Kunst. Back beschreitet mit ihren Werken einen eigenen Weg spiritueller Anmutung.

Studium an der Akademie Faber-Castell in Stein, zahlreiche Ausstellungen u. a. Herz-Jesu-Kirche Nürnberg. Sie lebt und arbeitet in Peterskirchen.

Anni Rieck

Für die Werkzyklen „Memoiren“ und „Membran“ zieht die Künstlerin Impulse aus den Werken von Ferdinand von Schirach („Kaffee und Zigaretten“) sowie von Marlen Haushofer („Die Wand“) heran. Aus Japan- und Seidenpapier sowie einem filigranen Drahtgerüst entstehen fragile Objekte. Dabei greift Rieck die emotionalen Facetten der Texte auf und übersetzt sie in Kunst.

Die Künstlerin widmet sich seit 2001 der freien bildhauerischen Tätigkeit. Ihre Ausbildung erhielt sie bei C. Demenat und G. Drescher sowie an der Berufsfachschule für Bildende Kunst in München. Sie ist Dozentin an der Kunstakademie EigenArt Bad Heilbrunn, lebt und arbeitet in München.

Anni Rieck: ohne Titel; 2021; Draht, Japanpapier; 59 x 31,5 x 11,5 cm
Ulla Ströhmann: Gelb; 2010; Enkaustik mit Blattmetall auf Holz; 70 x 62 x 3 cm

Ulla Ströhmann

Seit Anfang der 90er-Jahre befasst sich Ströhmann mit der Entwicklung und Wirkung von Farben in der Technik der Enkaustik. Monochrome Bildflächen aus organischem Wachs werden mit glänzenden Flächen aus Aluminium, Gold, Kupfer und Silber verbunden. Zunächst steht die Transparenz des Bienenwachses, später die Wirkung der Kontraste im Vordergrund.

Studium der Freien Kunst und Bildhauerei bei Sir E. Paolozzi und Prof. P. Skubic an der Fachhochschule Kunst und Design in Köln. Auszeichnungen u. a. 2012 Artist in Residence in Kurashiki/Okayama, 2021 Kunstpreis Kontrast QQTEC Hilden. Sie lebt und arbeitet in Köln.

John Schmitz

Der Konzeptkünstler Schmitz gestaltet seit 2012 eine fortlaufende und zeitlich unbegrenzte Serie aus Bleistift, Feder, Tinte und Zeichenbogen. Bis heute ist eine Vielzahl von Blättern entstanden, die den Faktor Zeit in Relation zur Befindlichkeit des Künstlers dokumentieren und in Kunst transformieren. In minutiöser Aneinanderreihung und ohne Unterlass werden die Zeichenbögen mit der liegenden Acht, dem Zeichen der Unendlichkeit, befüllt.

Studium Bildende Kunst an der Akademie Faber-Castell in Stein, Meisterklasse von M. Kronberger, R. Viva und R. Voss. Er lebt und arbeitet in Peterskirchen.

John Schmitz: ohne Titel; 2019; ink on Paper; 150 x 150 cm
Debora Kim: Körper; 2005-2019; Garn auf MDF; je Bild 15 x 10,5 x 1,4 cm

Debora Kim

Kim erforscht in konkreten Objekten das Thema Raum sowie das Erschaffen tiefenräumlicher Illusionen. Geometrische Körper werden mit farbigen Garnen bespannt, deren Lineatur sich zu Flächen verdichtet. Die subtil-reliefartige Struktur der Garne lassen unterschiedliche Lichtreflektion und damit scheinbar flimmernde Bewegung zu. Rhythmus und Lebendigkeit stehen damit im Kontrast zur statischen Geometrie der Objekte.

1986-94 Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Kunst in Braunschweig, Meisterschülerin bei Prof. Klaus Stümpel. Mehrfach ausgezeichnet. Lebt und arbeitet in Braunschweig und Seoul.

Christian Schied

„What you see is what you see“ (Frank Stella). Der konzeptionelle Ausgangspunkt der Werke ist ein lineares Modulsystem, das die streng geometrischen Bildobjekte strukturiert. Malerische Flächen wechseln zwischen expressiver Farbigkeit und reduziertem Hell/Dunkel. Positive und negative Formen ergeben ein rhythmisiertes Bildgeflecht. Die konkreten Werke beziehen den Raum mit ein. Es entstehen neue Ebenen der Betrachtung.

Studium an der Blocherer Schule und der Akademie der Bildenden Künste in München, Meisterschüler bei Prof. M. Hollmann. Zahlreiche öffentliche Ankäufe, u. a. durch die Bayerische Staatsgemälde Sammlung München. Lebt und arbeitet in Murnau.

Christian Schied: ohne Titel; 2022; Module aus Acryl, Leinwand; 80 x 100 cm