Günther Uecker

Tamar Klar | Frieda Martha

12. November bis 31. Dezember 2019

Mit einem Paukenschlag hat die chiemgau-galerie augustin bei ihrer dritten Ausstellung des Jahres 2019 aufgewartet: Zu sehen waren Werke des international bekannten deutschen Künstlers Günther Uecker. Seine Arbeiten wurden ergänzt durch Werke von Tamar Klar und Frieda Martha.

Die Idee mit dem Nagel rettete Günther Uecker als 14-Jährigem das Leben und das seiner Mutter und Schwestern: Kurz vor Kriegsende verbarrikadierte er mit Stahlstiften und Holzplatten von innen sein Elternhaus auf der Ostseehalbinsel Wustrow vor den heranrückenden Russen.

Als „Nagel-Künstler“ und Mitglied der legendären ZERO-Gruppe erlangte der heute 89-Jährige später internationales Renommee. Wie Uecker aus einem Lebensretter eine lebensbestimmende Kunstform voller Facettenreichtum, Tiefgang und meditativen Zügen gemacht hat, war in der chiemgau-galerie augustin in Trostberg zu studieren. Im wahrsten Wortsinn eindrucksvolle Prägedrucke des vielfach ausgezeichneten Kunstschaffenden sind dort zusammen mit Werken der Künstlerinnen Frieda Martha und Tamar Klar zu sehen.

Reges Interesse an den unterschiedlichen Arbeiten, die der besondere Bezug zum Thema Licht miteinander verbindet, zeigten die zahlreichen Besucher bei der Eröffnung, darunter auch Bürgermeister Karl Schleid. Obwohl Galeristin Marianne Augustin die Räume am Vormarkt 17 erst im Frühjahr eröffnet hat, gibt es schon eine kleine Fangemeinde.

Galerist Dr. Aloys Wilmsen, der die Ausstellungsstücke als Leihgaben zur Verfügung gestellt hat und zur Eröffnung eigens vom Bodensee angereist war, zeigte die unterschiedlichen Bedeutungsebenen der Werke Ueckers auf. Sie reichen vom meditativ anmutenden Spiel mit Licht und Schatten, das an Zen-Motive erinnert, bis in religiöse Tiefendimensionen. Ein Beispiel dafür sind auch die mit Sand aus der Negevwüste und hebräisch-deutschen Texten konzipierten Prägedrucke im Großformat zum Buch Hiob. Sie stießen bei der Eröffnung bereits auf großes Interesse.

Als Gesprächspartnerin war bei den Galeriebesuchern auch Frieda Martha gefragt. Die in Rheineck lebende Künstlerin spürt dem Ausdruck von Gefühlen und Farbintensitäten in ihren meditativ anmutenden Arbeiten nach. Schnipsel, Streifen und Büschel aus beidseitig mit Farbe bemalten Japan- bzw. Seidenpapier setzt sie zu minutiösen und kleinteiligen Kompositionen zusammen, deren Farbverläufe, Haptik und Oberfläche im Betrachter eine besondere Wirkung auslösen.

Nicht weniger spannend sind die Arbeiten der aus Wangen stammenden Künstlerin und ehemaligen Modedesignerin Tamar Klar. Ihre hinter mattem Plexiglas durchscheinenden Lichtobjekte und Streifenmuster wirken wie lebendig pulsierende Organismen, deren optische Wirkung den Betrachter zugleich irritiert und fasziniert.  Text und Ausstellungfotos: Axel Effner

Günther Uecker

Günther Uecker

*1930 in Wendorf bei Crivitz
lebt und arbeitet in Düsseldorf-Oberkassel und in St. Gallen

Man nennt Günther Uecker gern den „Nagelkünstler“. Aber er arbeitet auch mit Schnüren und Asche, Holz und Sand, schafft Schriftbilder und zarte Aquarelle. Die Spuren der Nägel sind immer da. Man sieht sie als Prägedruck, als wirbelnde Strukturen einer Spirale, als Linien eines dichten Feldes. Im künstlerischen Akt bannt Uecker Wut und Wucht, seine Werke haben eine spröde, einmalige Poesie. Immer geht es ihm um das Leiden, das Ringen um Frieden und um eine Harmonie, die der Künstler dem ewigen Scheitern der Menschheit entgegensetzt.

Prägedruck 97 von Günther Uecker: Nagelköpfe; Prägedruck auf Büttenpapier
Tamar Klar

Tamar Klar

*1967 in München
lebt und arbeitet in Wangen im Allgäu
www.tamarklar.de

Tamar Klar ist Autodidaktin und nähert sich dem Themenfeld „Gedanken“ auf immer wieder neuen Wegen. Ihre Arbeiten aus Acrylglas und Edelstahl fangen den lichtvollen, nicht stofflichen Charakter von Gedanken ein. Die Sprechblase dient in vielen ihrer Werke als Symbol für Information und Kommunikation – voller Leichtigkeit, aber auch mit all der Wucht, die Information haben kann. Tamar Klar schafft es so, uns anschaulich zu machen, warum wir uns vor bestimmten Informationen schützen wollen und ihnen aus dem Wege gehen.

Lichtwelle, 2016, Tamar Klar: Lichtobjekt, Alurahmen beleuchtet, 74 cm x 60 cm x 4 xm
Frieda Martha

Frieda Martha

*1941 in Berlin
lebt und arbeitet in Hergatz bei Wangen im Allgäu
www.friedamartha.de

Frieda Martha hat viel experimentiert – heute konzentriert sie sich auf Arbeiten aus bemaltem Seidenpapier, das sie in feine Stücke schneidet und zu ebenso zarten wie kraftvollen Reliefs anordnet. Da leuchtet es in Rot oder Blau, ganz Freude oder Ruhe. Hier und da blitzt ein wenig Gold und Silber, der Anblick ist eine Wohltat. Für Frieda Martha sind die Bilder „eine bewusste Abkehr von den vielen Negationen unserer Zeit.“ Die Künstlerin widmet sich seit 1963 den bildenden Künsten. Ihre Bilder stehen für das Leben und die Emotionen, die unser Leben begleiten.

Die Kostbarkeit meines Lebens, 2019, Frieda Martha: Acryl auf Seidenpapier, Blattgold, 90 x 70 cm