… nicht ohne die Sinne!

Karin Fleischer

3. März bis 11. Juli 2020

Karin Fleischer reflektiert mit ihrer Druckgrafik in mehr als „fotografischer Wirklichkeitstreue“ die sichtbare Welt. Ihre Radierungen zitieren Dinge anhand von Materie, Material und darin Zeitspuren durch die Hand des Menschen. Die optische Wirkung von Erde, Stein, Glas und Holz, aus der unsere Welt gebaut ist, erscheint so naturalistisch, dass sie abstrahiert wird und der Poesie die Tür öffnet!

Spurensuche – das Abstrakte im Konkreten

„… nicht ohne die Sinne!“: Karin Fleischer stellt in der Chiemgau-Galerie Augustin aus

Das Konkrete im Abstrakten und das Abstrakte im Konkreten macht Karin Fleischer in ihren Druckgrafiken sicht- und erfahrbar, die sie ab Dienstag, 3. März in der Chiemgau-Galerie Augustin am Trostberger Vormarkt zeigt. Die Ausstellung mit dem Titel „… nicht ohne die Sinne!“ ist dienstags bis samstags von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Im Zuge der Corona-Krise wurde die Ausstellung bis Juli verlängert. Finissage ist – je nach Entwicklung der Pandemie – am Samstag, 4., oder am Samstag, 11. Juli. 

Die Künstlerin, die im oberpfälzischen Markt Laaber lebt und arbeitet, löst sich in ihren Werken vom dargestellten Gegenstand, indem sie seine Struktur hervorholt und vom gegenständlichen Kontext, von seiner Körperlichkeit abtrennt. Übrig bleibt die Oberfläche, die gleichzeitig mit ihren Verletzungen, Ecken, Kanten und Schrunden die Seele des Gegenstandes visualisiert – Oberfläche ist bei Fleischer nie oberflächlich, sie verweist auf die wahre Tiefe. Die 76-Jährige öffnet so den Blick für das, was hinter den Dingen liegt.

Alle Aspekte des Drucks

Dieser Effekt spiegelt sich in ihren Techniken wider: Kupferstich, Radierung und Frottage hinterlassen tiefe Spuren im Medium Papier. Druck prägt. Druck ist nicht nur Technik, Druck ist eine physikalische Kraft, eine physische Kraft, eine psychische Kraft. Fleischers Grafiken zeigen alle diese Aspekte des Drucks – ganz konkret und ganz abstrakt. Alles zugleich. Obwohl diese beiden Pole gegensätzlicher nicht sein könnten, überfordert die Künstlerin den Betrachter mit ihren Arbeiten nicht – so wenig, wie sie ihn unterfordert. Ihre künstlerische Handschrift lässt zu, von der Form über das sinnlich Erfahrbare zum Transzendenten – und wieder zurück – zu gelangen und so die Wechselwirkungen zwischen Abstraktion und sichtbarer Welt zu erspüren.

Seit mehr als 50 Jahren künstlerisch tätig

Karin Fleischer ist seit über einem halben Jahrhundert als Künstlerin tätig. Die gebürtige Königsbergerin war an der Berliner Akademie Meisterschülerin von Hann Trier, der unter anderem auch Georg Baselitz unterrichtete. Bei einem Studienaufenthalt Mitte der 70er-Jahre in London an der Slade School of Fine Art, die international als eine der führenden Ausbildungsstätten für Künstler anerkannt ist, ließ sie sich von Sir Anthony Gross, einem der einflussreichsten englischen Druckgrafiker und Maler seiner Zeit, für die Technik des Kupferstichs begeistern. Eine Leidenschaft, die Fleischer nicht mehr losließ. Daneben sind Farbradierungen, Plein-air- und Simultanzeichnungen sowie Frottage-Installationen ihre bevorzugten Arbeitsgebiete. Von 2008 bis 2013 war sie Mitglied der Produzentengalerie „en passant“ in Berlin-Mitte. Ihre Arbeiten wurden mit mehreren Stipendien gewürdigt. So war sie 2014 am Virginia Center of Creative Arts in den USA; 2010 und 2015 wirkte sie als „Artist in Residence“ im Cill Rialaig Project im irischen Kerry. In Regensburg initiierte sie das multimediale Projekt „ZwischenZeiten“, das von 1998 bis 2003 Bild, Musik und Tanz in die Kirchen von Regensburg und München brachte.

chiemgau-galerie augustin feiert Internationalen Tag der Druckkunst

Zeitpunkt und Ort der Ausstellung „… nicht ohne die Sinne!“ sind beileibe nicht zufällig gewählt: Galeristin Marianne Augustin erweist damit Trostberg als Druck- und Papier-Standort mit über 150-jähriger Geschichte die Ehre. Vor zwei Jahren wurden die traditionellen Drucktechniken in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen Unesco-Kommission aufgenommen. Deshalb wird am 15. März der zweite Internationale Tag der Druckkunst gefeiert. Aus diesem Anlass bietet die Chiemgau-Galerie Augustin am Samstag, 14. März, um 14 Uhr und am Sonntag, 15. März, um 11 und um 14 Uhr eine „offene Druckwerkstatt“ an: Karin Fleischer wird die Teilnehmer in die Kunst der Kaltnadelradierung einführen. Interessenten können sich unter Tel. 0 86 21 / 9 75 22 17 oder hier anmelden.  Andreas Falkinger

Karin Fleischer

Karin Fleischer

*1943 in Königsberg
lebt und arbeitet in Laaber/Oberpfälzer Jura

Karin Fleischer erfasst in ihrer bisher mehr als 50 Jahre langen künstlerischen Schaffensphase die Erscheinungsform der Dinge und macht sie in der Technik der Farbradierung sichtbar. Doch die Künstlerin bildet nicht einfach ab: sie schafft optische  Herausforderungen, die zur Imagination und Interpretation einladen.

Besprechung der Ausstellung "... nicht ohne die Sinne!" im  Trostberger Tagblatt

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