Ausstellung "Sehr konkret?": Wolfgang Dietz - Karl-Heinz Kappl - John Schmitz

Sehr konkret?

Wolfgang Dietz | Karl-Heinz Kappl

John Schmitz

16. September bis 2. November 2019

Unter dem Titel „Sehr konkret?“ treten die Künstler John Schmitz aus Peterskirchen, Karl-Heinz Kappl aus Hechenwang am Ammersee und Wolfgang Dietz aus München in der chiemgau-galerie augustin in Trostberg in den künstlerischen Dialog.

Konkrete Kunst

im Diskurs mit der Wirklichkeit

Abgeleitet von Vorbildern der Konkreten Kunst oder der Konzeptkunst treten Wolfgang Dietz, Karl-Heinz Kappl und John Schmitz als Personen hinter ihrem Werk zurück und stellen den künstlerischen Schaffensakt als solchen in den Mittelpunkt. An seismographische Aufzeichnungen oder abstrakte Landschaftsmuster erinnern die Bildgewebe, die John Schmitz aus einer schier unendlichen, seriell gefertigten Reihung liegender oder stehender Achter kreiert. 

Im konzentrierten Aufsetzen von Feder, Bleistift oder Stift und dem meditativen Versenken in den Malprozess verschmelzen die innere Dynamik des Künstlers und der formale Ausdruck, Detail und Ganzheit, Prozess und Vollendung zu einer neuen Wirklichkeitswahrnehmung.

Dem Reiz zufällig entstehender oder streng konstruierter geometrischer Muster und Strukturen mit ganz eigener Ästhetik spürt Karl-Heinz Kappl in seiner Kunst nach, die er „konkret+“ nennt. Nicht Gefühle, Metaphysik, Personen oder eine bestimmte Erzählung werden hier verfolgt, sondern Linien, Kreise, Spiralen, Strahlenmuster und Farben formen eine konkret erfahrbare und wahrnehmbare Bildsprache. Hohe Virtuosität lassen in Trostberg insbesondere die aus Hunderten von Streichhölzern oder Wellpappe konstruierten, suggestiven Bildwelten erkennen.

Geometrische Formen, Teilungsverhältnisse des Goldenen Schnitts, die Zahlenreihe von Fibonacci und eine auf Grund- und Komplementärfarben reduzierte Farbpalette greift Wolfgang Dietz auf, um daraus eigenständige, konkret-konstruktiv wie auch frei-intuitiv entwickelte Bildmuster zu entwickeln. Text und Fotos: Axel Effner

Wolfgang Dietz

Wolfgang Dietz

*1950 in Grünewald (Lausitz)
lebt und arbeitet in München
www.wolfgangdietz.eu

Wolfgang Dietz studierte 1982 bis 1988 Malerei bei Prof. Manfred Hollmann an der Akademie der Bildenden Künste in München. Dem 1. Preis und der Ausführung der Wandgestaltung im Lehrgangsgebäude der Obersten Baubehörde 1989 folgten viele Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in und um München, Bonn und Düsseldorf sowie einige Lehraufträge. 2004 erhielt Dietz ein Stipendium der Pollock-Krasner Foundation, New York. Seine Bildsprache hat sich zur konkreten Kunst hin entwickelt. Die Arbeit mit geometrischen Formen in den Grundfarben Rot, Blau und Gelb und den Komplementärfarben Grün, Orange und Violett führte ihn schließlich zu den Zahlenreihen des mittelalterlichen Mathematikers Leonardo von Pisa, genannt Fibonacci, und zum Teilungsverhältnis des Goldenen Schnitts. 

Werk Wolfgang Dietz
Karl-Heinz Kappl

Karl-Heinz Kappl

*1960 in Osterhofen, Niederbayern
lebt und arbeitet in Hechenwang
www.kunst-kappl.myportfolio.com

Karl Heinz Kappl hat an der Akademie der Bildenden Künste München bei Horst Sauerbruch und Daniel Spoerri studiert. Er stellt keine Gegenstände, keine Personen mehr dar, seine Bilder enthalten keinerlei formale Gegebenheiten der Natur, der Sinne, der Gefühle. Sie sind rein aus Linien, Flächen und Farben konstruiert. Jedes Bildelement ist ausschließlich das Bildelement selbst. Kappls Kompositionen bestehen aus geraden Linien, parallelen Linien, Diagonalen, es gibt spiralförmig und kreisförmig angeordnete, horizontale und vertikale Einheiten. Diese einfachen geometrischen Glieder ordnet er zu komplexen Kompositionen. Kappl experimentiert mit Farben, Mustern, malerischen Turbulenzen und geometrischen Formen im Raum zwischen der zweiten und dritten Dimension.

Karl-Heinz Kappl
John Schmitz

John Schmitz

*1969 in München
lebt und arbeitet in Peterskirchen
www.john-schmitz.com

Inspirationsquelle beim Kunstschaffen ist für John Schmitz, der sich mit existenzphilosophischen, religionswissenschaftlichen und weltanschaulichen Erkenntnissen und Annahmen auch theoretisch beschäftigt, nicht allein der Intellekt, sondern mindestens ebenso bedeutend ist der Akt der Hingabe an und die Versenkung in den Malprozess. Dieser nimmt viel Zeit in Anspruch und erfordert ein hohes Maß an Konzentration. Der Malprozess bei John Schmitz erinnert in seiner immer wiederkehrenden Ausgangslage und in seiner manuell repetitiven Gleichförmigkeit an ein Ritual. Die Ergebnisse, die fertigen Bildern, sind, trotz der Verwendung stereotyper Grundmuster und des ritualisierten Schaffensprozesses, von erstaunlicher Vielfalt. Judith Bader

Werk John Schmitz